Nomen/Substantive

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Klassen[Bearbeiten]

In allen Bantu-Sprachen - also auch im Kiswahili - werden die Substantive in Klassen eingeteilt. So gehören z.B. die Lebewesen in eine bestimmte Klasse, die Bäume in eine andere und die Fremdwörter in wiederum eine andere Klasse. Ein solcher inhaltlicher Bezug ist jedoch oft nicht eindeutig und es gibt zahlreiche Abweichungen. Daher muss man die zugehörige Nominalklasse für jedes Substantiv lernen.

Anmerkung: Ein mit den Nominalklassen vergleichbares Element in der deutschen Sprache ist das grammatikalische Geschlecht (Genus). Auch im Deutschen lassen sich die Nomen in Gruppen einteilen: in männliche, weibliche und sächliche und je nachdem welches Geschlecht ein Wort hat, hat es einen je unterschiedlichen Artikel. Ein grammatikalisches Geschlecht gibt es im Kiswahili nicht.

Konkordanz (Übereinstimmung)[Bearbeiten]

Die Einteilung der Substantive in Klassen ist ein zentrales Merkmal des Kiswahili. Eine wichtige Eigenschaft dieses Nominalklassensystems ist die Konkordanz bzw. Übereinstimmung. Konkordanz bedeutet, dass alle Wörter, die von einem Nomen "abhängen", mit der Klasse dieses Nomens übereinstimmen müssen (z.B. Verben, Adjektive, Demonstrativpronomen etc.). Diese Übereinstimmung wird durch bestimmte Kennsilben (Affixe) hergestellt. Die Kennsilben sind je nach Klasse unterschiedlich und werden meist am Beginn des Wortes (Präfixe) und manchmal innerhalb des Wortes (Infixe) oder am Ende des Wortes (Suffixe) angehängt.

Beispiel:

"Kisu kikali kinakata vizuri." "Das scharfe Messer schneidet gut."

Das Nomen in diesem Beispielsatz heisst "kisu" (= "Messer"). Es hat die Vorsilbe "ki", weil es aus der Ki-Klasse (7. Klasse) stammt. Auf dieses Nomen beziehen sich das Adjektiv "-kali" (= "scharf") und das Verb "-kata" (= "schneiden"). Um die Zugehörigkeit zur gleichen Klasse wie das Nomen zu kennzeichenen, müssen auch diese abhängigen Wörter ebenfalls die Silbe "ki-" voranstellen.

Eine Herausforderung beim Lernen des Kiswahili liegt darin, dass der Kiswahili-Lerner die Klasse jedes einzelnen Substantivs explizit lernen muss, da alle anderen Wörter im Satz, die sich auf dieses Substantiv beziehen - abhängig von der Klasse - unterschiedlich gebildet werden.

Bestimmter/unbestimmter Artikel[Bearbeiten]

Im Kiswahili gibt es keinen unbestimmten oder bestimmten Artikel.

Beispiel: "mtu" heisst "Mensch" kann aber auch "ein Mensch" oder "der Mensch" heissen, je nach Zusammenhang.

Die inhaltliche Aussage die der Artikel im Deutschen hat, wird im Kiswahili entweder durch den Sinnzusammenhang klar, sie kann aber auch durch ein Zahlwort ("ein"), die Verwendung eines Demonstrativpronomens ("dieser", "jener"), eines Objekt-Infixes (d.h. einer bestimmten Kennsilbe im Verb) oder auf andere Weise ausgedrückt werden.

Vorsilben (Präfixe)[Bearbeiten]

Wie gesagt, ist die Verwendung von Vorsilben ein zentrales Merkmal des Kiswahili. Durch das Voranstellen einer Vorsilbe wird die Zugehörigkeit eines Nomens zu einer bestimmten Klasse gekennzeichnet. Nicht nur das Substantiv selbst besitzt eine bestimmte Vorsilbe, sondern auch alle anderen Satzglieder, die sich auf dieses Substantiv beziehen, müssen durch Voranstellen einer bestimmten Vorsilbe die Zugehörigkeit zu dieser Klasse kennzeichnen.

Klassenpräfix[Bearbeiten]

Die Vorsilbe, die den Substantiven einer Klasse vorangestellt ist, bezeichnet gleichzeitig diese Klasse. So gibt es beispielsweise Nomen, die die Vorsilbe "u" haben, wie z.B. usiku, udevu, ubao. Sie gehören zur sogenannten U-Klasse. Das Präfix der Nomen bezeichnet also auch deren Klasse. Daher wird es Klassenpräfix oder Nominalpräfix genannt.

Das Klassenpräfix wird ausserdem den zugehörigen Adjektiven vorangestellt und wird daher auch Adjektiv-Präfix genannt.

Verbpräfix[Bearbeiten]

Das Verbpräfix ist die Vorsilbe, die den Verben vorangestellt wird, um eine Übereinstimmung mit dem zugehörigen Nomen zu kennzeichnen. (Es unterscheidet sich in der Regel vom Klassenpräfix.)

Es kennzeichnet die Übereinstimmung mit dem Subjekt des Satzes und wird daher auch als Subjektkonkordant oder als Pronominal-Präfix bezeichnet.

Das Verbpräfix wird auch in allen anderen Konstruktionen verwendet wie z.B. bei Possesiv- und Demonstrativpronomen, beim Relativpartikel -o, bei der Genetiv A-Verbindung.

Nominalklassensysteme[Bearbeiten]

Für die Benennung (Nummerierung) der Nominalklassen werden unterschiedliche Systeme verwendet. Das klassische Standardsystem geht auf die Forschungen von Carl Meinhof (1857-1944) zurück, der eine grosse Zahl verschiedener Bantusprachen untersuchte und deren Klassen verglich. Er fand in den von ihm untersuchten Bantusprachen insgesamt 22 verschiedene Nominalklassen, wobei nicht jede Bantusprache alle 22 Klassen hat, aber einige der Klassen von allen Sprachen geteilt werden (z.B. die Klassen 1-10).

Standardsystem[Bearbeiten]

Das Standardsystem der Nominalklassen im Kiswahili (nach Meinhof) beschreibt 15 verschiedene Klassen (Klassen 1-11 und 15-18). Die Klassen 1-11 sind die "eigentlichen" Substantivklassen, wobei diese separate Klassen für Singular (ungerade Nummern) und Plural (gerade Nummern) aufführen.

8-Klassen-System[Bearbeiten]

Eine andere - heute gebräuchliche - Systematik verwendet eine Einteilung in 8 Klassen (Klassen I bis VIII), wobei die Singular-Plural-Klassenpaare des Standardsystems zu jeweils einer Klasse zusammengefasst sind (Klassen I-VI) und auch die drei Ortsklassen in eine Klasse gehören (Klasse VIII).

Unterschiede[Bearbeiten]

Generell enthalten die Nominalklassen des Kiswahili 11 Substantivklassen (bzw. 6 Klassenpaare), 1 Infinitivklasse und 3 Ortsklassen. Sie unterscheiden sich lediglich in der Art und Weise der Nummerierung.

Das 8-Klassen-System ist durch die geringere Zahl der Klassen besonders für den Anfänger etwas übersichtlicher und evtl. leichter zu erfassen.

Das Standardsystem ist etwas differenzierter, da es unterschiedliche Singular-/Plural-Kombinationen genauer beschreiben kann. Ausserdem erlaubt es einen Vergleich mit anderen Bantusprachen.

Übersicht Nominalklassen[Bearbeiten]

Vorsilbe
(Nominalpräfix)
Numerus Klasse
(Standard)
Klasse
(Kurz)
Inhalt
Art der Substantive (Auswahl)
Beispiel 1 Beispiel 2
m- (mw-) Sg. 1 I Menschen, Tiere mtoto (das Kind) Mwarabu (der Araber)
wa- Pl. 2 watoto (die Kinder) Waarabu (die Araber)
m- (mw-) Sg. 3 II Bäume, Pflanzen mti (der Baum) mwili (der Körper)
mi- Pl. 4 miti (die Bäume) miwili (die Körper)
- (ji-) Sg. 5 V Früchte, Personengruppen,
arabische Substantive
tunda (die Frucht) jicho (das Auge)
ma- Pl. 6 matunda (die Früchte) macho (die Augen)
ki- (ch-) Sg. 7 III Sprachen, alltägliche Objekte kisu (das Messer) chakula (das Essen)
vi- (vy-) Pl. 8 visu (die Messer) vyakula (die Mahlzeiten)
- (n-) Sg. 9 IV Fremdwörter (Lehnwörter),
abstr. Dinge, konkrete Dinge
kazi (die Arbeit) nguo (das Kleid)
- (n-) Pl. 10 kazi (die Arbeiten) nguo (die Kleider)
u- (w-) Sg. 11 VI abstr. Substantive im Singular ufunguo (der Schlüssel) wavu (das Netz)
ku- (kw-) - 15 VIII Infinitiv-Klasse:
substantivierte Verben
kupika (das Kochen) kwenda (das Gehen)
pa- - 16 VII Ortsklasse:
einziges Substantiv: mahali (= Ort)
mahali (Ort)
ku- - 17
m- - 18

Die Klassen im Einzelnen[Bearbeiten]

Um Missverständnisse bei der Nummerierung der Klassen zu vermeiden, können diese einfach mit ihren Klassenpräfixen bzw. Namen bezeichnet werden. Entsprechend können die folgenden Substantivklassen im Kiswahili unterschieden werden:

M/WA-Klasse

M/MI-Klasse

JI/MA-Klasse

KI/VI-Klasse

N-Klasse

U-Klasse

KU-KLasse (Infinitivklasse)

Mahali- oder Orts-Klasse